Die Schloss-Simulation 1993

„Auf Initiative des Fördervereins Berliner Schloss e.V. und mittels Aufbringung erheblicher privater Spenden wurde 1993 eine Attrappe des Stadtschlosses im Maßstab 1 : 1 auf dem Schlossplatz, der zu diesem Zeitpunkt noch Marx-Engels-Platz hieß, errichtet. Auf eine Gerüstkonstruktion wurden Kunststoffleinwände montiert, auf die von der französischen Großbildkünstlerin Catherine Feff die Schlossfassade gemalt worden war. Die Installation war 15 Monate auf dem Schlossplatz zu sehen.(…)
Beobachter der Stadtschlossdebatte wie Anna-Inés Hennet und Moritz Holfelder stimmen darin überein, dass die Schlossinstallation als entscheidender Aspekt zu bewerten sei, der die Meinungsbildung und die öffentliche Stimmung in Richtung Befürwortung des Wiederaufbaus bewegt habe.“ Bemerkenswert daran ist, dass damit der reinen Anschauung eine Überzeugungskraft zugesprochen wird, die die gesamte Debatte zu dominieren in der Lage ist. (…) Die Attrappe, das ,Fake-Schloss“, gab vor, das Stadtbild schließen und zu einem ,Ganzen‘ fügen zu können.“
Katharina Grabbe, Deutschland – Image und Imaginäres: Zur Dynamik der nationalen Identifizierung nach 1990, 2013

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